"Alpsman by the Stone" wird zur Chefsache

"Alpsman by the Stone" wird zur Chefsache

Eigentlich sind die Blogs auf meine Coaching Homepage meinen betreuten Sportler vorbehalten, aber jetzt muss ich eine klitzekleine Ausnahme machen.
In meiner aktiven Triathlonzeit habe ich mich eigentlich an allen Distanzen probiert. Vom Sprintrennen (mit Bundesligastarts) bis zur Langdistanz. Aber auch Crossduathlons, 24h MTB Rennen, Treppen/Bergläufe, SwimRun, Radmarathons usw. waren mit dabei. Alles was eben Spaß macht.
Doch jetzt im „höheren Sportleralter“ zwickt es mal hier mal da und das Training muss der „Gebrechlichkeit“ angepasst werden. Dennoch liebe ich es immer noch an Wettkämpfen teilzunehmen, besonders wenn es sich um weniger kommerzielle und gehypte Massenveranstaltungen handelt bei denen auch noch etwas Adventure mit dabei ist.

Gesucht – gefunden: Der „Alpsman by the Stone - Half“ sollte meine Herausforderung für 2026 werden.

Am 27.06.26 erfolgte der Start am Iseosee (Lombardei). Ausgerechnet am Hitzewochenende an dem die LD in Frankfurt sogar verkürzt wurde. Vorausgegangen war eine schlaflose Nacht im „Glutofen“ Wohnmobil bei nächtlichen Tiefsttemperaturen von 35°C. Mit Bodybatterie 28 schleppte ich mich am Samstagmorgen um 4 Uhr Richtung Start und T1 an den See. Oh Gott, das kann ja was werden.

Um 5:30 Uhr erfolgte dann der Wasserstart für die Halb-Starter wie mich. Endlich etwas Abkühlung im 25°C kalten Seewasser. Die 1,9 km Schwimmen hatte ich im Vorfeld wenig beachtet und quasi abgehackt. Weit gefehlt, es wurde tricky.

Der Gegenwind auf der ersten Strecke erzeugte scheußliche Krabbelwellen die nur mit ständigen Wasserballkraul oder Wasserschlucken zu bekämpfen waren. Am Rückweg hoffte ich auf Rückenwind und Wellenschub, den ich auch hatte. ABER, leider auch meine verpflichtende Rettungsboje. Sie überholte mich ständig und ich verwickelte mich fast bei jedem Armzug in der Leine. Teilweise schwamm ich Unterwasserkraul oder Einarmig.
Irgendwann waren die 1,9 km dann auch erledigt. Überraschenderweise mit einer Zeit von 44 min. sogar im Mittelfeld. Scheinbar hatten auch meine Mitstreiter eine Wasserschlacht auszufechten gehabt.


6:15 Uhr rauf auf‘s Rad. Die Radstrecke führt stets gen Norden – one way in die Berge. Erst am See entlang und dann ziemlich unspektakulär leicht ansteigend und mit Gegenwind bis Edolo. Hier bei Kilometer 75 angekommen ist das „Einradeln“ abgeschlossen und es geht in die Berge. Trotz früher Morgenstunde war es schon ordentlich warm und ich war froh von meinem Supporter Hans in Edolo und vor dem letzten großen Anstieg nochmal Wasser und Verpflegung zu bekommen.

Hydationbreak

Die überwiegenden Höhenmeter werden auf der zweiten Streckenhälfte eingesammelt. Die Radstrecke verläuft über den Passo Aprica und dem Passo Mortirolo (hier ist auch die einzige Radverpflegungsstelle des Veranstalters) von dem dann eine steile Abfahrt hinab ins Val Camonica führte. Eigentlich auch die einzige Abfahrt auf der gesamten Radstrecke. Die letzten 15 km folgen dann leicht ansteigend der Hauptstraße nach Ponte di Legno zur zweiten Wechselzone. Insgesamt benötigte ich für die 145 km mit 2900Hm 7h:39 min. bzw. 7h:56m mit den Verpflegungsstopps. Ich fühlte mich eigentlich noch ganz okay als ich in der Wechselzone ankam.

Wechselzone 2 erreicht

Umziehen, Trailschuhe an und Laufrucksack auf die Schultern. Nur noch 22km und knapp 1000 Hm zu Fuß durchs Gelände. Die ersten Laufkilometer aus der Ortschaft raus sind richtig eklig. Sonne pur, steil und für mich „unlaufbar“. So wanderte ich los mit einem Panini und alkoholfreien Bier in der Hand das ich unterwegs verspeiste. Erst als die Laufstrecke fast flach/eben oder abfallend war begann ich zu laufen. Es war beruhigend zu sehen das wirklich nur wenige Athleten die heftigen Uphills laufend bewältigen konnten. Der Rest wanderte.

Es geht bergauf

Etwa nach der halben Distanz querte man das Tal um auf der anderen Bergseite zurück zu laufen. Hier stand nochmal Hans mit Verpflegung und der erfreulichen Nachricht, dass ich aktuell 3te Frau war. Krass! Jedoch weniger beruhigend, die vierte Frau nur 5 Minuten hinter mir. Auch wenn diese Info natürlich motivierte, ich blieb beim flotten Powerwalking bergauf das wesentlich ökonomischer war als zu laufen und gar nicht so viel langsamer.

Powerwalking

Mein Mann radelte extra nochmal zu Kilometer 17 hoch um mir einen weiteren Zwischenstand durch zu geben: „nur noch 2 Minuten Vorsprung“. Obwohl ich dieses Rennen eher als „Abenteuer“ gesehen hatte und ein Finish mein Ziel war, kam jetzt der Ehrgeiz durch. All out im letzten wirklich sehr schwierigen Downhill und dann noch alle Kraftreserven für die flachen 1,5 km zum Ziel in der Ortsmitte Ponte de Legno mobilisieren.

Schließlich schaffte ich es mit einem Vorsprung von nur noch 30 sec. meinen dritten Platz (aller Damen) ins Ziel zu retten. Und das nach 12h37min. Renndauer und älteste Teilnehmerin. Was für ein wahnsinns Tag und Erlebnis.

In all meinen Langdistanzen habe ich nie so lange unterwegs wie auf dieser Halbdistanz – ich glaube ich werde alt. 👵