Langdistanzdebüt beim zweiten Triathlon Individuell – unkonventionell – sensationell

Langdistanzdebüt beim zweiten Triathlon                             Individuell – unkonventionell – sensationell
Regeneration - genau so wichtig wie das Training

Diese drei Schlagwörter passen perfekt auf meine Sportlerin Flora zu.
Auch wenn Flora noch keine große Erfahrung im Triathlon hatte (bisher nur eine Mitteldistanz in Zell am See 2024) ist sie mit dem Wunsch an mich herangetreten, dass ich sie auf ihre erste Langdistanz vorbereiten soll. Soweit alles ganz normal.


Individuell
Die Herausforderung in ihrer Vorbereitung lag vor allem im Zeitmanagement. Flora befindet sich aktuell in der Ausbildung zur Fachärztin und muss hierfür 12 Monate im Schichtdienst absolvieren. Die Frage war nun:
Wie lässt sich das umfangreiche Training an ihre ständig wechselnden Arbeitszeiten (Nachtschichten) integrieren?
Bleibt dennoch ausreichend Zeit zur Regeneration und wie hoch ist die physische Belastung durch den Job in der Notaufnahme?
Flora und ich hatten vereinbar diese Gratwanderung zu versuchen und notfalls die Reißleine zu ziehen, falls die Gesundheit unter der hohen Belastung leiden würde.
Flora trug monatlich ihren Dienstplan in den Trainingspeakkalender ein. Aus der wenigen verbleibenden Freizeit versuchte ich ein effektives Training mit ausreichend Be- und Entlastung zu planen. Nix da mit üblicher Periodisierung oder zyklusgesteuerten Training, hier war ein individuelle Trainingssteuerung gefragt.

Unkonventionell
Dass Flora sehr gerne in den Bergen unterwegs ist wusste ich. Daher fand ich als Vorbereitung einen Ultra Trailrun (Innsbruck Alpin K65) am 2. Mai ganz passend. Zwar keine spezifische Triathlonvorbereitung, aber ein richtig langer Wettkampf im Grundlagenbereich bei dem sie auch gleich das Fuelling bei > 8h Rennen testen konnte. Zugleich ein „Ersatz“ um schon mal eine marathonähnliche Belastung zu erfühlen. Wie auch in einem Blog nachzulesen ist, hat sie die 2650 Hm mit bravour geschafft, trotz etlicher Prellungen die sie sich bei einem Radsturz 3 Tage vor dem Wettkampf zuzog. Leidensfähig ist sie.

Kurz nach dem gelungenen Ultratrail weihte sie mich in ein ganz besonderes Vorhaben ein: Anfang Juni wollte Flora mit einer Freundin die „Seven Summits“ (sieben Länder und dessen höchste Berge) bezwingen. Spoileralarm: Von dieser unfassbaren Tour wird es auch noch einen von Flora verfassten Erlebnisbericht geben.

Die drei Wochen in den Bergen zogen extrem viel Energie bei Flora. Nicht nur körperlich auch psychisch war die Batterie jetzt erstmal leer. Aber statt der nötigen Regeneration ging es im Krankenhaus gleich Vollgas weiter. Die Nachtschichten die am Anfang noch gut verkraftbar waren, bedurften jetzt immer mehr Erholungszeit. Und die Motivation zum Training sank auf ein Minimum.

Was tun - ihr eigentliches Highlight, die Langdistanz Mitte August canceln?

Den meisten Sportlern hätte ich zu einer Absage/Verschiebung der Langdistanz geraten. Bei Flora wusste ich, wenn Sie erholt, gesund und motiviert am Start stehen würde, dann rockt sie das Ding. Als Rookie sollte erstmal Finish im Vordergrund stehen und nicht die Zeit. Somit beschlossen wir die verbleibenden Tage bis zum Rennen zu 100% auf Erholung zu setzten und Training nur in „homöopatischen Mengen“ ein zu streuen –Tapering light XXL. Die Frage war, ob die 4 Wochen ausreichend sein werden um Körper und Geist einen Reset zu ermöglichen.
Denn jeder der schon mal die 226 km bewältigt hat wird mir zustimmen -ohne 100% Willenskraft wird es schwer.


Sensationell
Dann war es soweit. Am Sonntag den 16.08.26 ging es um 6:30 Uhr ins Wasser der Nagold Talsperre. Floras Schwimmumfänge 2026 waren sehr übersichtlich, daher waren die 1h22m. Schwimmzeit echt ordentlich.
Die Radstrecke im Schwarzwald hat es in sich. Insgesamt waren auf den 180 km 1700 Hm zu absolvieren. Also kein großer Nachteil dass Flora weder mit einem TT, noch High-End Carbonbike und Powermeter auf die Strecke ging. Ganz dem Motto: Kondition satt Carbon.
Es lief voll nach Plan und wie prognostiziert traf Flora nach 6h15m (27,6 km/h Schnitt) in T2 ein. Alles im grünen Bereich. Jetzt stand „nur“ noch ihr erster Marathon an.

Raus aus T2 und weiter geht das Abenteuer Langdistanz

Mittlerweile herrschten tropische Bedingungen. Über 30°C und immer wieder kurze Regengüsse (bereits auf der Radstecke) trieben die Luftfeuchte in die Höhe. Selbst beim Zuschauen garte man im eigenen Saft. Die armen Athleten. Flora absolvierte noch ziemlich zügig die ersten 15 Laufkilometer, aber dann wurde es zäh. Auch wenn das Laufen eigentlich ihre Paradedisziplin ist musste sie in der zweiten Hälfte immer wieder Gehpausen einlegen.
Ihre mentale Stärke trieb den müden Körper dennoch immer weiter Richtung Ziel. Nach 12h:35min. wurde sie belohnt und an der Finishline von Ihrer Familie in Empfang genommen. Ihr Langdistanztraum war nun zur Realität geworden.
Ganz nebenbei wäre sie sogar (bei ihrem zweiten Triathlon ever), deutsche Vizemeisterin auf der LD geworden -  dazu hätte sie aber in einem Triathlonverein gemeldet sein müssen…
Aber alles Randerscheinungen – wichtig war gesund das Ziel zu erreichen. Jetzt kann sie stolz auf ein spektakuläres Sportjahr zurückblicken.
Ultratrail (Mai 26), Seven Summit-Tour (Juni 26) und als Finale ihre erste Langdistanz (August 26). Was für eine unfassbare Energieleistung die Flora trotz der extremen Arbeitsbelastung aufbringen konnte. Ein wahres Irongirl.

Und jetzt? Auf alle Fälle "Beine hoch und Pause".
In November endet Flora’s Schichtdienst, dann wird ihr Sportlerkörper sicherlich erneut nach Herausforderungen schreien. Gerne wieder „individuell, unkonventionell und sensationell“ – ich freue mich darauf.