Ironman Hamburg 2026 – Mein erster und definitiv letzter Ironman... oder?

Ironman Hamburg 2026 – Mein erster und definitiv letzter Ironman... oder?

Julias Rennbericht

07. Juni 2026. Ironman Hamburg. Meine erste Langdistanz.

Monatelang hatte ich auf diesen Tag hingearbeitet. Früh aufstehen, lange Radeinheiten, endlose Läufe und die ständige Frage von Freunden und Familie, warum man sich freiwillig für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathon anmeldet. Am 07. Juni sollte ich es endlich herausfinden.

Schwimmen – Ein Sprung ins Abenteuer

Der Tag begann mit einer langen Wartezeit beim Rolling Start. Die Sonne schien wahrscheinlich auch mit zum letzten Mal an diesem Tag, während wir Athleten Meter für Meter Richtung Startlinie rückten. Als es dann um 7:19 Uhr endlich soweit war, gab es den ersehnten kühlen Sprung in die Binnenalster und somit der Start für einen langen ungewissen Tag. 
3,8 Kilometer Schwimmen. Eine Distanz, die ich zuvor noch nie am Stück geschwommen war. Entsprechend respektvoll ging ich die Sache an. Die ersten Kilometer liefen erstaunlich gut. Ich fand meinen Rhythmus und konnte das Ganze sogar ein wenig genießen. Bis zum Wendeboje in der Außenalster. Dort wurde das Wasser plötzlich deutlich kabbeliger. Den Rhythmus zu halten wurde schwieriger und ich durfte mehr Alsterwasser genießen, als ursprünglich geplant. Trotzdem verging die Strecke überraschend schnell. Keine Glanzleistung, aber darum ging es auch nicht. Wer weiß, dass danach noch 177 Kilometer auf dem Rad und anschließend ein Marathon warten, schwimmt nicht auf Risiko.
Machbar. Haken dran. Weiter.

Julia auf den Weg ins Ungewisse

Radfahren – Nass, windig und verdammt lang

 Nach dem Schwimmen hieß die erste Mission: trocken werden, Rhythmus finden und drauf los. Kaum war ich trocken, fing es an zu regnen. Wenige Minuten später war ich wieder komplett durchnässt. Dazu kam Wind mit bis zu 60km/h, der gefühlt aus allen Richtungen gleichzeitig blies. Als Laura Philipp an mir vorbei zog merkte ich, dass auch sie zu kämpfen hat. Trotzdem liefen die ersten 90 Kilometer erstaunlich problemlos. Nicht ganz in der Pace, die ich mir vorgestellt hatte, aber stets mit dem Gedanken im Hinterkopf: Du musst nachher noch einen Marathon laufen. Was mir unterwegs schon seltsam vorkam, waren die vielen gestrandeten Radfahrer am Streckenrand. Überall standen Athleten mit platten Reifen oder technischen Problemen. Was genau passiert war, erfuhr ich allerdings erst im Ziel. Bis Kilometer 130 fühlte sich alles kontrolliert an. Danach wurde es zäh. Der Rücken begann zu schmerzen. Ich musste dringend auf die Toilette, wollte aber auf keinen Fall anhalten. Außerdem war ich mittlerweile weiter gefahren als jemals zuvor in meinem Leben. Jeder weitere Kilometer war persönliches Neuland. Von diesem Punkt an ging es nur noch ums Durchhalten.

Es rollt

 Ein riesiger Motivationsschub war immer wieder mein angereister Fanclub. Trotz des miserablen Wetters hatten sie sich entlang der Strecke aufgeteilt und tauchten immer wieder überraschend an den unterschiedlichsten Stellen auf. Jedes Mal ein kleiner Energieschub für Körper und Kopf. Die letzten Kilometer auf dem Rad waren geprägt von einem einzigen Gedanken:

Julias Fanclub

"Irgendwie in die Wechselzone kommen. Dort erstmal hinsetzen. Und dann schauen wir weiter."
Dass ich tatsächlich noch einen Marathon laufen würde, erschien mir zu diesem Zeitpunkt alles andere als sicher. In der Wechselzone angekommen ging es zunächst zur lang ersehnten Toilette. Danach zum Wechselbeutel. Als ich mich kurz hinsetzte, wurde mir eines klar: 
Aufgeben ist jetzt keine Option mehr. Wenn ich schon so weit gekommen bin, dann komme ich auch ins Ziel. Notfalls spaziere ich diesen Marathon. Also rein in die Laufschuhe und weiter.

 Laufen – Der anstrengendste Rave meines Lebens

 Schon nach den ersten Metern auf der Laufstrecke wurde klar: Die Stimmung war unglaublich. Tausende Zuschauer, Musik, Anfeuerungen von allen Seiten. Es fühlte sich an wie der anstrengendste Rave, auf dem ich jemals gewesen bin.

 Wieder tauchte mein Fanclub an allen möglichen Stellen auf. Die Stimmung trug mich förmlich über die ersten Kilometer.
Meine Taktik war simpel:
42,2 Kilometer bin ich noch nie gelaufen. Einen Halbmarathon schaffe ich locker. Also redete ich mir ein, einfach bis Kilometer 21 durchzulaufen und danach weiterzusehen. Und plötzlich war der Halbmarathon geschafft.

Focusiert

 Ab diesem Moment hangelte ich mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Immer mit dem gleichen Gedanken:

 "Einfach weiterlaufen. Kilometer für Kilometer. Und wenn gar nichts mehr geht, komme ich eben gehend ins Ziel." So arbeitete ich mich von Kilometer 22 bis Kilometer 30 vor.
Dann wurde mir klar:
Jetzt sind es nur noch etwas mehr als zehn Kilometer. 

Etwas mehr als eine Stunde. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Getrieben von Euphorie versuchte ich sogar noch einmal das Tempo zu erhöhen. Meine Oberschenkel waren allerdings anderer Meinung und machten ziemlich deutlich klar, dass sie mit diesem Plan nicht einverstanden waren. Dann kam der rote Haargummi. Der Letzte von vier Stück. Wer Ironman Veranstaltungen kennt, weiß, was das bedeutet.

 Das Go für die Ziellinie.

 Kurz noch die First-Timer-Glocke geläutet.

 Und dann war er plötzlich da.

 Der Zielbogen und die Worte "You are an Ironman".

 Kaum zu glauben. Ich hatte es tatsächlich geschafft.

 Meine erste Langdistanz.

Kurz Medaille umgehängt. Finisher-Shirt abgeholt und als mich ein Helfer fragte, ob ich etwas trinken möchte, antwortete ich nur: "Nein, ich bekomme gleich ein Bier." Dann raus aus dem Zielbereich und direkt in die Arme meines Fanclubs.

Mit Freudentränen. Mit Tränen der Erleichterung. Mit dem Wissen, dass die letzten Monate sich gelohnt hatten. Das war mit Abstand das beste Gefühl des gesamten Tages. 

Berechtigter Stolz auf das Vollbrachte

Fazit 
Später kam natürlich die unvermeidliche Frage: 
"War das jetzt die letzte Langdistanz?"

 Zur Beweissicherung wurde direkt ein Video aufgenommen.

 Meine Antwort kam ohne Zögern: 
"Nie wieder. Das ist so zäh und langweilig. Nichts macht daran Spaß."